Raiffeisen Ostmünsterland eG

kompetenter Dienstleister für Landwirte und Privatkunden

Ständig begegnet man auf den Straßen einem der hellgrünen Fahrzeuge einer Raiffeisengenossenschaft. In vielen Städten im TÖFTE-Land finden wir Tankstellen und Märkte, die von Raiffeisengenossenschaften betrieben werden. Aber ist Ihnen, liebe TÖFTE-Leserin und TÖFTE-Leser, bekannt, in welchen Bereichen eine Raiffeisengenossenschaft tätig ist und wer sich dieses umfangreichen und vielfältigen Angebots bedienen darf? Die TÖFTE-Redaktion hat dazu Michael Loddenkötter befragt. Er ist bei der Raiffeisen Ostmünsterland beschäftigt und gibt uns im Interview zu diesen Fragen umfassend Auskunft.

Hallo Herr Loddenkötter, erst einmal herzlichen Dank, dass Sie die Zeit für dieses Interview gefunden haben. Vielleicht stellen Sie sich unseren Lesern in einigen wenigen Worten kurz vor?

Hier bei der Raiffeisen Ostmünsterland leite ich die Abteilung Mischfutter. Ich bin 46 Jahre, verheiratet und Vater einer fast zehnjährigen Tochter und eines achtjährigen Sohnes. Ich habe nach dem Schulabschluss erst eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert, der sich dann noch eine weitere kaufmännische Ausbildung anschloss. Aber mit dem Lernen war dann noch nicht Schluss: ein Studium zum Handelsfachwirt und sowie ein weiteres Studium zum Betriebswirt an der Genossenschaftsakademie in Montabaur waren dann die letzten Bausteine meiner Ausbildung. Seit 2005 habe ich meinen Arbeitsplatz bei der Raiffeisen in Beelen und bin nun – wie schon gesagt – Leiter der Abteilung Mischfutter.

Das Prinzip Raiffeisen – können Sie uns kurz erklären welchen Sinn eine Genossenschaft macht und welchen Zweck die Raiffeisen Ostmünsterland dient?

Das Prinzip Raiffeisen geht zurück auf den Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen. „Was einer nicht schafft, schaffen viele!“ Das ist die Kernaussage des Raiffeisenprinzips. Aus der im 19. Jahrhundert herrschenden schlechten Situation in der Landwirtschaft verfolgte Raiffeisen die Idee, für die Landwirte gemeinsam einzukaufen und die produzierten Waren und Güter gemeinsam zu verkaufen. Unter anderem auch, um sich so am Markt eine bessere Position zu verschaffen. Auch aktuell ist die Raiffeisen ein Zusammenschluss von Landwirten. Wir kümmern uns um den gemeinschaftlichen Einkauf und Verkauf der Waren und Produkte, die die Landwirtschaft benötigt, um effektiv und gewinnbringend arbeiten zu können.

Können Sie mir kurz die Entwicklungsgeschichte der Raiffeisen Ostmünsterland skizzieren?

Die Raiffeisen Ostmünsterland ist ein Zusammenschluss mehrerer kleiner Raiffeisengenossenschaften gewesen. Die letzte Fusion erfolgte 2015, als sich die Raiffeisen Beelen/Ennigerloh mit der Raiffeisen Milte zur heutigen Raiffeisen Ostmünsterland vereinigt haben. Aktuell beträgt der Umsatz unseres Unternehmens rund 55 Millionen Euro. Wir beschäftigen – die Anzahl ist immer leicht schwankend – 50 fest angestellte Mitarbeiter, zu denen noch die Aushilfen an unseren Tankstellen hinzukommen. Raiffeisenmärkte und landwirtschaftliche Standorte unterhalten wir in Beelen, Ennigerloh, Westkirchen und Greffen. Der Markt in Ennigerloh ist dabei auf Artikel für den Reitsport, der in Greffen auf Outdoorbeschäftigungen (u.a. Zubehör für Jäger) spezialisiert. In Ostenfelde, Westkirchen und Ennigerloh versorgen wir den Verkehrsteilnehmer an unseren Tankstellen mit dem richtigen Treibstoff.

Welche Landwirte sind Mitglied in der Genossenschaft und gibt es Bedingungen für eine Mitgliedschaft?

Früher galt für Mitgliedschaften in einer Raiffeisengenossenschaft das sogenannte Regionalprinzip. Das heißt, dass jeder Landwirt der Raiffeisengenossenschaft angeschlossen war, die ihm räumlich am nächsten liegt. Heute sieht die Situation so aus, dass es keine regionale Verpflichtung für die Landwirte mehr gibt. Unser Kerngebiet ist der örtliche Teil des Kreises Warendorf. Doch stehen unsere Türen für alle Landwirte, egal aus welchem örtlichen Bereich er kommt, offen. Jeder Landwirt, der eine Anfrage stellt, bekommt von uns auch eine Antwort.

Somit kann jeder Landwirt oder auch jede Privatperson bei uns Mitglied werden. Für eine Mitgliedschaft muss er mindestens einen Anteil kaufen. Die Höchstmenge ist auf zwanzig begrenzt. Ein Anteil ist für einen Betrag von 1.100,00 Euro zu erwerben.

Welchen Nutzen macht eine Mitgliedschaft für den Landwirt?

Dass bei uns in der Raiffeisen Ostmünsterland auch Privatpersonen Mitglied werden können, dürfte wahrscheinlich allgemein nicht so bekannt sein. 97% unserer Mitglieder sind der Landwirtschaft zuzuordnen, 3% sind Privatpersonen. Die Zahl der Privatpersonen, die bei uns eine Mitgliedschaft erworben haben, ist ausbaufähig. Daher freuen wir uns über jeden, der bei uns Anteile erwerben will.

Finanziellen Nutzen erfährt der Landwirt über eine Warenrückvergütung. Sie ist abhängig vom Umsatz, den die Genossenschaft aus dem Geschäft mit ihren Mitgliedern erzielt hat. Den Privatpersonen können wir eine Dividende auf ihre erworbenen Anteile anbieten, die in den letzten Jahren immer zwischen 3 und 5% gelegen hat. Gerade in Zeiten sinkender Zinsleistungen der Banken eine nicht zu verachtende Geldanlage.

Vom Landwirt für den Landwirt – was leistet die Genossenschaft für Ihre Landwirte?

Ich würde uns als „Full-Liner“ für die Landwirtschaft bezeichnen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten haben sich insbesondere die politischen Rahmenbedingungen für unsere Landwirtschaft sehr verändert. Auch zeitlich sind dem Landwirt Grenzen gesetzt, seinen ganzen bürokratischen Verpflichtungen nachzukommen. Daher ist es unser Bestreben, den Landwirt auf dem gesamten Weg seiner beruflichen Tätigkeit zu begleiten, beginnend mit der Beratung, die sich auf viele unterschiedliche Bereiche erstreckt, und abschließend mit der Dokumentation seiner Tätigkeit.

Unsere Leistungen und Angebote beschränken sich aber nicht nur auf die Landwirtschaft. Auch für den Privatkunden bieten wir umfangreiche Dienstleistungen an. Unsere Raiffeisenmärkte sind vom Sortiment sehr breit aufgestellt. Was nicht präsent ist, kann zeitnah bestellt und ausgeliefert werden. Auch im Bereich Brenn- und Treibstoffe kann der Privatkunde auf unser volles Angebotssortiment – und das nicht nur an den Tankstellen – zugreifen.

Herzstück der Raiffeisen Ostmünsterland ist die Futtermittelproduktion. Können Sie mir die Prozesse kurz erklären?

Die Futtermittelproduktion ist das Kerngeschäft der Raiffeisen Ostmünsterland. Zwanzig Mitarbeiter unserer Belegschaft sind allein in diesem Bereich beschäftigt. Wir produzieren jährlich ca. 80.000 Tonnen Mischfutter, wobei der Schwerpunkt auf Schweinefutter, ein kleinerer Prozentsatz beim Rinderfutter liegt. Zur Produktion des Mischfutters greifen wir überwiegend auf Rohstoffe unserer eigenen Kundschaft zurück. In geringem Maße werden diese Rohstoffe zugekauft. Soja, Schrot und Mineralstoffe werden im Produktionsprozess beigemischt. Das von uns hergestellte Mischfutter kann sowohl als Vollernährungsmittel als auch als Ergänzungsnahrungsmittel verwendet werden.

Neben der Futtermittelproduktion beraten Sie den Landwirt beim Pflanzenbau. Was verstehen Sie darunter?

Wir verstehen uns nicht nur als Lieferant des Saatguts, des Düngers und des ggfls. notwendigen Pflanzenschutzmittels. Vielmehr gehen wir Seite an Seite mit dem Landwirt und beraten ihn in all diesen Fragen. Vor der Auswahl des Saatguts besichtigen unsere Experten zusammen mit dem Landwirt seine Flächen um gemeinsam die bestmögliche Sorte für den jeweiligen Standort zu ermitteln. Auf Wunsch des Landwirts werden Bodenproben analysiert um die Nährstoffgehalte des Bodens zu ermitteln und so in der Düngung nur die Nährstoffe nachgeben zu können, die der Boden verloren hat, um eine Überdüngung vorzubeugen.

Gesetzliche Vorgaben verpflichten den Landwirt zur detaillierten Dokumentation von Nährstoffgaben und Düngevorgängen. Wie unterstützen Sie Ihre Mitglieder in der Bewältigung dieser Aufgaben?

Die Anforderungen an die Landwirtschaft nehmen immer weiter zu. Um unsere Landwirte bei der Bewältigung dieser Anforderungen zu unterstützen, haben wir uns einen Partner gesucht, der sich in diesem Metier perfekt auskennt. Mit der Firma ODAS als Komplettdienstleister im Bereich Wirtschaftsdünger haben wir diesen Partner gefunden. Gemeinsam bieten wir dem Landwirt mit der Software DELOS eine kompetente Systemlösung. Unter dem Motto „Dokumentation in Perfektion“ stellen wir uns allen Fragen rund um dieses Thema und betreuen unsere Kunden vom einfachen Lieferschein bis hin zur komplexen Nährstoffbilanz. Der Landwirt profitiert bei uns aus der Kombination von Fachwissen gepaart mit der einfachen Softwarelösung DELOS. Mit DELOS können sämtliche nährstoffrelevanten Unterlagen wie Boden­analysen, Nährstoff­liefer­scheine, Nährstoff­ver­gleiche, etc. digital abgelegt werden. Der Landwirt behält jederzeit den Überblick, ob alle Unterlagen vollständig sind und fehlende Belege können direkt angefordert werden. Bei einer Prüfung können die Unterlagen ohne lästiges Suchen sofort zur Verfügung gestellt werden.

Was sind die Hauptprodukte der Landwirte im Münsterland?

Wir befinden uns in einer Region mit einem hohen Viehbestand. Dieser Viehbestand erfordert entsprechend große Mengen Futtermittel, die die Landwirte auf ihren eigenen landwirtschaftlichen Flächen produzieren. Saat- und Futtermais, Triticale und Roggen auf leichten Böden sowie Gerste, Weizen und Raps sind die Pflanzen, die zum allergrößten Teil in der Futtermittelproduktion Verwendung finden. Es gibt noch Landwirte, die ihr Futtermittel selber mischen. Die überwiegende Mehrheit arbeitet mit uns zusammen: wir kaufen das Getreide oder den Mais auf und geben als Gegenleistung das Futtermittel an den Landwirt zurück. Gerade bei größeren Betrieben geht der Trend dahin, die Zubereitung des Futtermittels der Raiffeisen Ostmünsterland zu überlassen.

Wie lautet Ihr Rat an die Politik und der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie bezüglich des Preisverfalls von Lebensmitteln, der zu Lasten des Tierwohls geht und auch den Ackerbauern unter Druck setzt immer produktiver zu werden?

In Deutschland wird rund 10% des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben. Ein Verhältnis, das sich sehr auf das produzierende Gewerbe, und dazu gehört auch die Landwirtschaft, auswirkt. Unsere Landwirte müssen Geld verdienen, um ihre Familie zu ernähren, Unterhaltungskosten sowie die notwendigen Investitionen leisten zu können. Dies ist augenblicklich nur durch entsprechend große Tierbestände und landwirtschaftlichen Flächen zu erreichen. Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass höhere Erzeugerpreise erzielt werden können. Dies aber nicht nur in Deutschland, sondern europa- oder gar weltweit. Dann bin ich davon überzeugt, dass die Landwirte bereit sind, ihre Bestände zu reduzieren und ein noch größeres Augenmerk aufs Tierwohl und umweltschonende Produktionsabläufe zu legen, obwohl sie das schon in sehr großem Umfang machen.

Welche Zukunftspläne hat die Raiffeisen Ostmünsterland?

Die Welt wird immer globaler. Es gibt fast keine Grenzen mehr. Daher werden die Angebote für unsere Landwirte – gerade auch übers Internet – immer vielfältiger. Wir haben festgestellt, dass die Landwirte für ihre tägliche Arbeit auf der Suche nach einem starken regionalen Partner sind und das nicht nur im Ein- und Verkauf. Hier müssen wir ansetzen und uns für die Zukunft gut und stark aufstellen. Dann profitieren beide Seiten von dieser Partnerschaft.

Herr Loddenkötter, herzlichen Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit.

Das Interview erschien in der Juli Ausgabe des Töfte-Magazin. Das gesamte Magazin könnt Ihr Euch hier durchlesen.

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